Frühjahr 2019

Ein Erfahrungsbericht von Anika Geißler (ehem. Kursteilnehmerin / aktives Mitglied und Schatzmeisterin des M.E.E.R. e.V. / Assistenz im Frühjahrskurs 2019)

Am 30. April startete der diesjährige Praktikumskurs auf La Gomera. Ich persönlich habe bereits 2015 und 2016 als Praktikantin an dem Kurs teilgenommen und bin seit dem nicht mehr von Gomera und den Walen und Delfinen los gekommen. Ich wurde 2016 aktives Mitglied bei der M.E.E.R. e.V. und war dieses Jahr als Assistenz des Meeresbiologen und Kursleiters, Fabian Ritter, mit dabei.

Der Kurs war voll ausgebucht und alle 9 Teilnehmer/-innen waren angereist, um ihr Wissen über die Meeressäuger zu erweitern und selbstverständlich auch, um die Tiere in Freiheit und in ihrem natürlichen Lebensraum zu erleben und zu erforschen. So unterschiedlich wie die schulischen/beruflichen Hintergründe oder die Vorkenntnisse der Teilnehmer/-innen auch waren – denn wirklich jeder ist bei dem Kurs willkommen (!) – so unterschiedlich waren auch die Vorstellungen und Erwartungen an den Kurs. Diese sollten bis zum Ende des Kurses natürlich nicht unerfüllt bleiben!

Fabian Ritter hat sich alle Mühe gegeben um die Praktikanten/-innen an seinem umfangreichen Wissen über die Wale und Delfine teilhaben zu lassen. Während der vier Arbeitstreffen informierte er über Themen wie Whale-Watching, Kollisionen zwischen Schiffen und Walen, Meeresverschmutzung und andere Gefahren für die Cetaceen. Natürlich wurde den Teilnehmer/-innen auch alles Notwendige über die Verhaltensbeobachtung und Datenaufnahme erklärt. Das Erlernte konnte dann während der Exkursionen aufs Meer gleich in die Praxis umgesetzt werden.

Am Ende des Kurses hatten wir 100 % Sichtungserfolg, denn wir hatten das Glück, bei jeder unsere Ausfahrten Delfinen zu begegnen. Besonders die Grindwale und Tümmler blieben uns während des gesamten Kurses ausgesprochen treu. Große Tümmler boten uns mehrfach eine ausgiebige „Show“, mit Sprungeinlagen wie aus dem Bilderbuch!

Außerdem begleiteten sie unser Boot gerne mal für ein paar Minuten. Die Delfine hatten offensichtlich Spaß dabei, in den Bugwellen zu reiten, was uns perfekte Gelegenheiten bot, sie genauer zu betrachten. Hier konnten wir auch die wahren Ausmaße der Tiere erkennen! Vor allem die Offshore-Tümmler waren riesig! Einige Tiere waren deutlich mit Narben von Kämpfen mit Artgenossen oder von Verletzungen gezeichnet.

Einmal sahen wir einen Grindwal, der eine typische Verletzung von einer Begegnung mit einem Schiff hatte. Wirklich traurig. Zumal wir erfuhren, dass erst ein paar Tage zuvor das erste Mal überhaupt ein Grindwal auf offener See bei Teneriffa eingeschläfert werden musste, da seine Schwanzflosse fast vollständig von einer Kollision mit einem Boot abgetrennt wurde. Es ist wirklich kein schöner Anblick, die Schnellfähre regelmäßig durch das Meeresschutzgebiet fahren zu sehen, das ja eigentlich zum Schutz der Meeressäuger eingerichtet wurde…

Dennoch konnten wir auch vieles Schönes beobachten. Insbesondere die verspielten Jungtiere der Grindwale hatten es uns angetan – und von denen gab es einige! Eines hat sich z.B. ganz dicht neben unserem Boot im Wasser gekugelt. So konnten die Teilnehmer/innen gleich ihr neu erworbenes Wissen zur Geschlechtsbestimmung anwenden – es war ein Bübchen 🙂

Aber auch ausgewachsene Grindwal-Männchen nahe an unserem Boot zu erleben, war eine beeindruckende Erfahrung. Viele der Praktikanten/-innen sahen diese Tiere hier zum überhaupt ersten Mal. Und spätestens als eine Gruppe Fleckendelfine unser Boot für eine Zeit begleiteten, waren alle hin und weg. Wirklich faszinierend, wie die Delfine fast zum Greifen nah unter uns in der Bugwelle schwammen. Wir sahen arttypische Zeichnungen der Haut oder  Unterschiede bei Jungtieren und älteren Gruppenmitgliedern.

Ein besonderes Highlight war die lange Ausfahrt: Noch im Dunkeln trafen wir uns im Hafen und sind rechtzeitig aufgebrochen, um den Sonnenaufgang draußen auf dem Meer zu beobachten. Kurz nachdem wir den Hafen hinter uns gelassen hatten, konnten wir ein ganz besonderes Schauspiel bewundern: das Meeresleuchten. Aufgewirbelt durch unser Boot funkelte das Wasser wunderschön blau. Fasziniert und verzaubert beobachteten wir bald darauf den wunderschönen Sonnenaufgang mit atemberaubenden Blick auf Teneriffa in der Ferne – Grindwale inklusive!

Noch ein Höhepunkt: An der Expedition durch das Felswatt haben die Praktikanten/innen sehr interessiert teilgenommen. Meeresbiologe Volker Boehlke führte uns zwischen den natürlichen Becken umher und leitete uns an, nach Anzeichen von Leben zu suchen. Wir konnten vieles Interessantes über die Bewohner und Pflanzen des Watts erfahren.

Ein weitere Highlight für mich persönlich war der Ausflug zur Beobachtungsstation hoch an der Küste, nicht unweit vom Hafenort Vueltas. Ich war dort zuvor noch nicht gewesen und war gespannt, was uns erwarten würde. M.E.E.R. hatte hier erst 2017 eine landgestützte Beobachtungsstation eingerichtet. Dadurch sollen u.a. Whale-Watching-Boote zu den Delfinen und Walen geleitet werden. Hierbei wird im Interesse der Tiere darauf geachtet, dass die Boote gestreut werden und sich nicht alle WW-Anbieter auf nur eine Gruppe „stürzen“. Wir haben es geschafft, durch das Teleskop tatsächlich Delfine zu finden und für eine gewisse Zeit zu verfolgen. Das ist gar nicht so einfach! Es erfordert Geduld und Ausdauer, stundenlang Ausschau zu halten.

Übrigens sind diese Fähigkeiten auch auf dem Boot erforderlich. Was wir – neben den Delfinen – aber leider immer wieder fanden, war allerlei Müll im Meer, von umhertreibenden Fischernetzen bis zu Neonröhren, Flaschen und Tüten, und das nicht zu knapp. Einiges davon konnten wir immerhin erfolgreich aus dem Wasser fischen. Während einer unserer ersten Ausfahrten sahen wir einen Delfin, der eine Tüte mit der Rückenfinne mit sich trug. Es war für uns schwer zu erkennen, ob er sich darin verfangen hatte oder es sich um Spiel handelte. Wir hoffen, dass die Tüte letztlich nicht in seinem oder dem Magen seiner Freunde oder Familie gelandet ist.

Am Ende des Kurses kann ich sagen, kein Kurs ist wie der andere: Jedes Mal wieder sehe ich etwas, was ich noch nie gesehen hatte, jedes Mal lerne ich Neues dazu. Somit hat sich auch der für mich dritte Kurs gelohnt und ich bin sicher, ich werde wieder kommen!