Von Wiederholungstätern und Flexibilität

In diesem Jahr gab es eine Besonderheit in unserer Kursbelegung: Die Hälfte der Kursteilnehmerinnen waren „Wiederholungstäter“ , d.h. sie hatten unseren Kurs bereits zuvor absolviert, hatten aber so viel Spaß und Wissenshunger, dass sie es noch einmal erleben wollten. Wir hatten nun die interessante Aufgabe, der einen Hälfte das Grundwissen zu vermitteln, der anderen aber etwas Neues und Weiterführendes bieten zu wollen. Etwas gespannt gingen wir daher in die Vorbereitungen, ergänzten das Vortrags- und Exkursionsprogramm und wollten gleichzeitig für eine vernünftige Durchmischung der KursteilnehmerInnen sorgen, damit sich „Oldies“ und „Frischlinge“ nicht voneinander separierten. Unsere Sorge war völlig unbegründet wie sich dann herausstellte…. Die alten Hasen ergänzten unser Programm grandios durch eigene Referate für die ganze Gruppe und stellten ihre Erfahrungen in anderen Cetaceen-Forschungsgruppen vor. Und sozial hat es einfach toll funktioniert, die gemeinsame Begeisterung und das Interesse trug uns durch eine wunderbare Zeit.

Allerdings stellte uns das Wetter zeitweilig auf eine ernstzunehmende Probe: Die sonst so zuverlässige Windrichtung zeigte sich von ganz neuen Seiten, so dass Seegang (Ingwer wirkt Wunder!) und Planung schwieriger wurden. Wir mussten ständig umplanen und Ausfahrten verschieben, in der Gruppe abstimmen, entscheiden, dann schnell das Ersatzprogramm auf die Beine stellen. Wir können stolz sagen, dass alle die wichtigsten Tugenden der im Freiland arbeitenden Verhaltensbiologen drauf hatten: Geduldig sein und flexibel reagieren. Schließlich hatten wir es am Ende geschafft, alle Exkursionen und Seminare und durch die Spontanität der Teilnehmer sogar noch das eine oder andere Extra einzubauen!

In der ersten Woche hatten wir eine hohe Sichtungszuverlässigkeit von Grindwalen und Großen Tümmlern, an denen wir wunderbar die Methoden der verhaltensbiologischen Datenaufnahme sowie die Aufbereitung der aufgenommenen Daten üben konnten, die wir in den verschiedenen Seminaren vorgestellt hatten. Die Ausfahrten der zweiten Woche ließen uns auch seltenen Schnabelwalen, schon allein durch ihre Größe beeindruckenden Brydewalen und bildschönen Gewöhnlichen Delfinen begegnen und die letzten Ausfahrten standen ganz im Zeichen des „Fleckendelfinrausches“ , die mit ihrer Interaktionsfreudigkeit wohl jedes Herz im Sturm erobern.

Auch durften wir zusehen wie Delfine Fische zu einem Ball zusammentrieben und jagten, auch wurde uns das eine oder andere Jungtier oder Neugeborene vorgestellt.

Es ist ein echtes Geschenk, wenn man hier zu Gast sein darf!

PS: Eine Kursteilnehmerin hat sich noch zusätzlich zu allem, was sowieso los war, die Nächte um die Ohren geschlagen und hat zwei wunderbare Filme über den Kurs zusammengestellt aus den zusammengeworfenen Fotos und Videos. Diese bleiben eine wirklich Gänsehaut-erzeugende Erinnerung für alle TeilnehmerInnen! Zu sehen auf unserem Youtube-Kanal….  Uns sind beeindruckende Videoaufnahmen unter Wasser sowie aus der Luft gelungen, auch diese werden alsbald auf unseren Youtube–Kanal gestellt…

Auf der Suche nach unseren „Spotties“…

Erlebnisbericht von Kursteilnehmerin Katharina Kniesz

La Gomera ist wirklich in jeder Hinsicht eine magische Insel – wir (7 Kursteilnehmer aus allen Teilen Deutschlands und 1 aus Schweden) durften dieses Jahr vom 9.-23. April in die Welt der Wale und Delphine hineinschnuppern. Neben einigen Vorträgen, u.a. zur Kultur und Intelligenz von Meeressäugern und zum Meeresschutz, waren die 7 Ausfahrten mit verhaltensbiologischer Auswertung des Gesehenen das absolute Highlight der 14 Tage unseres Aufenthalts. Gesehen wurden zahlreiche Grindwale, etwa 15m lange Brydewale, der so selten zu sehende Schnabelwal, der Große Tümmler und der Gemeiner Delphin. Unter den Delphinen wurde sich der Boot-liebende Fleckendelphin oder auch „spotty“ („atlantic spotted dolphin“) besonders herbeigewünscht. Die ersten 5 Ausfahrten waren diesbezüglich leider erfolglos. Unsere Geduld wurde dafür bei den letzten beiden Ausfahrten ausreichend belohnt!

Der wohl magischste Moment für mich (und vielleicht für einige andere aus dem Kurs) war unsere letzte Ausfahrt mit der Amazonia, wo wir zuerst Besuch von 20-30 Fleckendelphinen bekommen hatten und dann am Horizont eine nahezu synchron springende Gruppe aus bis zu 20-30 Gewöhnlichen Delphinen sehen durften. Nach einer Zeit hatten wir dann Gewöhnliche und Fleckendelphine zusammen schwimmend in unserer Bugwelle! Der Moment hat wohl jedem ein kleines Tränchen entlockt…

Wir hatten viele magische Momente mit und ohne Meeressäugern ?

Danke für die schöne Zeit!

PS: Es ist ein auch für Nicht-Studenten geeigneter Kurs, um sich mit dem Thema „Meeresschutz und Meeressäugern“ näher zu befassen!

 

Impressionen aus dem Frühjahrskurs 2016