Protest gegen das „Walgefängnis“ in Russland

© Fabian Ritter

Berlin, März 2019.

Das „Walgefängnis“ im Osten Russlands macht weiter Schlagzeilen: Etwa 100 Orcas und Belugas werden derzeit in Srednyaya Bay, Nakhodka, Russland gefangen gehalten. Sie sollten an chinesische Aquarien weiterverkauft werden. Doch der enorm teure Transfer wurde von den russischen Behörden gestoppt – und den Walen geht es zusehends schlechter: Es mangelt ihnen an Bewegung und richtiger Ernährung, die Becken sind außerdem nicht für eine Überwinterung ausgestattet und schlicht zu kalt. Zusätzlich bereitet den Walen die Trennung von ihren sozialen Gefügen große Probleme.  Zahlreiche Biologen und Veterinäre haben sich nun in einem gemeinsamen Brief an den russischen Präsidenten Vladimir Putin gewandt, in dem sie Vorschläge zur Verbesserung der Haltungsbedingungen der Tiere sowie im weiteren Verlauf deren Entlassung in die Freiheit machen. M.E.E.R. e.V. hat diesen Brief ebenfalls unterzeichnet.

Wale leiden in Gefangenschaft häufig unter enormem Stress. Wenn, wie in Russland, junge Wale, die mitunter sogar noch gesäugt werden, von ihren Familien getrennt werden, kann das ernsthafte gesundheitliche Konsequenzen nach sich ziehen. Außerdem verschlechtert sich der Erhaltungszustand der in Freiheit lebenden Populationen durch solche Wildfänge.

Im Brief vorgeschlagene Maßnahmen sind unter anderem die Vergrößerung der Gehege, in denen die Tiere aktuell auf sehr wenig Platz leben müssen, sowie die Erwärmung des Wassers, um eine Vereisung der Oberfläche zu verhindern. Durch eine verbesserte Wasserzirkulation könnte außerdem die Ausbreitung von Bakterien vermindert und damit die aktuell schlechte Wasserqualität aufgewertet werden.

Da es nicht umgehend möglich ist, die jungen Wale, die sich teilweise in gesundheitlich schlechten Zuständen befinden, sofort zu ihren Familien zurückzubringen, wird vorgeschlagen, sie zunächst veterinärmedizinisch zu behandeln und sie dann wieder auszuwildern. So kann auch dem Einwand entgegnet werden, dass aktuell weite Teile der Meeresoberfläche vor Russland vereist sind und ein Rücktransport der Wale an die Orte ihrer Gefangenschaft deshalb schwierig ist. Die Wissenschaftler bieten in allen Punkten ihre Unterstützung und Zusammenarbeit mit den russischen Behörden und Experten vor Ort an.

Dem Brief beigefügt sind Fotos, die den Zustand eines Orcas vor Ort im Verlauf von 42 Tagen dokumentieren – dieser verschlechterte sich nachweislich zusehends. Mehrere Tiere sind in der Station nicht mehr auffindbar – während man auf Nachfrage die Auskunft erhält, die Tiere wären aus den Becken ausgebrochen, liegt es nahe, dass sie stattdessen bereits verendet sein könnten.

Hier geht es zum gemeinsamen Brief der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an Putin (English, pdf).

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