Neues aus der M.E.E.R.-Forschung

erstellt am 27.11.2020

Die Forschung bildet unter anderem die Basis für Handlungsempfehlungen für politische Prozesse. In manchmal langwieriger Arbeit werden Daten gesammelt, analysiert, die Ergebnisse zusammengetragen und gewichtet. Dies wird dann zunächst von der wissenschaftlichen Gemeinschaft kritisch geprüft und nachvollzogen, bevor die Studien veröffentlicht werden. So wird die Qualität und Transparenz gesichert. Unter der Beteiligung von M.E.E.R. wurden im Jahr 2019 folgende zwei Studien vollendet und stehen nun der Öffentlichkeit zur Verfügung.

Gesundheitszustand von Walen und Delfinen vor La Gomera

Eine Studie gibt Einblick in sichtbare Hautkrankheiten und Anomalien bei Walen und Delfinen vor der Küste La Gomeras. Auf Basis von über tausend Fotos aus den Jahren 1995-2018 wurden Hauterkrankungen, Verletzungen, Abmagerung, Deformationen oder Parasiten bei acht verschiedenen Wal- und Delfinarten bestimmt. Insgesamt waren 279 Tiere betroffen, wobei besonders Verletzungen, Hautkrankheiten und Abmagerung besorgniserregend waren, weil sie die Tiere in ihrer Fitness und weiterem Überleben stark beeinträchtigen können. Als mögliche Ursachen für Verletzungen wurden z.B. Verwicklungen in Fischernetzen oder -leinen sowie Kollisionen mit Schiffen/Booten identifiziert. Hautkrankheiten, die von Viren oder Bakterien verursacht werden, gelten als Gesundheitsindikator und können auf ein geschwächtes Immunsystem hinweisen. Die Sichtungen abgemagerter Tiere, v.a. von Großen Tümmlern, schwankte zwischen den Jahren stark und ist möglicherweise abhängig von der Verfügbarkeit von Beutetieren infolge verringerter Produktivität oder Überfischung. Zusätzlich wurde eine Vielzahl an Parasiten gefunden. Die Studie belegte, dass die visuelle Bewertung der Gesundheit ein wertvolles, nicht-invasives Instrument ist. In Kombination mit Studien zur Pathologie und Toxikologie gestrandeter Wale und Delfine liefern visuelle Gesundheitsbewertungen ein vollständigeres Bild der Bedrohungen der Wale und Delfine.

Im Journal of Marine Animals and Their Ecology ist die Originalstudie auf Englisch zugänglich: Kautek G, van Bressem M-F & Ritter F (2019). External Body Conditions in Cetaceans from La Gomera, Canary Islands, Spain. Journal of Marine Animals and Their Ecology Vol 11, Issue 2, 4-17.

https://www.researchgate.net/publication/343206562_External_Body_Conditions_in_Cetaceans_from_La_Gomera_Canary_Islands_Spain/link/5f259859299bf1340497f4f5/download


Wie Schiffs-Wal-Kollisionen zwischen den Kanarischen Inseln vermindern werden können

Eine weitere Veröffentlichung beleuchtet die Situation von Schiffs-Wal-Kollisionen in den Gewässern der kanarischen Inseln. Die Kanaren sind ein Hotspot für Walvorkommen und Tourismus. Damit einher geht eine erhebliche Bedrohung der Tiere durch intensiven Schiffsverkehr, insbesondere von Schnellfähren. Die Häufung von Strandungen toter Wale mit Verletzungen, die typisch für Schiffs-Wal-Kollisionen sind, weist auf dringenden Handlungsbedarf hin. Dies unterstreicht die Veröffentlichung, die bei der jährlichen Tagung des Wissenschaftsausschusses der Internationalen Walfang Kommission (IWC) vorgestellt wurde. Kern des Papiers sind konkrete, aktuelle Empfehlungen für Maßnahmen in verschiedensten Bereichen, um die betroffenen Arten zu schützen, zum Beispiel die Umfahrung von besonders wichtigen Wal-Habitaten oder Geschwindigkeitsreduzierungen.

Derzeit sind die Kanaren international als Brennpunkt für Schiffs-Wal-Kollisionen „berüchtigt“ und es wird ein technischer und finanzieller Kraftaufwand nötig, um Veränderungen herbeizuführen. Das wichtigste Manko bleibt bisher jedoch der fehlende politische Wille, sich des Problems ernsthaft anzunehmen. Gleichzeitig birgt die Situation ein großes Potenzial für die Kanaren, sich international mit einem modernen und innovativen Ansatz der Umweltverträglichkeit von Schiffsverkehr zu profilieren, so die Studie.

Die Originalveröffentlichung (Englisch) ist hier einsehbar: Ritter, F., Aguilar de Soto, N. & Martín, V. (2019). Towards Ship Strike Mitigation in the Canary Islands. Int. Whal. Comm. Document SC/68a/HIM/15. 8pp.

https://m-e-e-r.de/wp-content/uploads/2019/06/SC_68A_HIM_15_Towards-Ship-Strike-Mitigation-in-the-Canary-Islands.pdf

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